"Mit den Augen fasten"

"Mit den Augen fasten"

Fastentuch

Ein Fastentuch oder Hungertuch ist ein deutliches Zeichen des Verzichtes. Während Eltern den Kindern die Süßigkeiten in der Fastenzeit untersagen und versuchen ihnen damit etwas von unserem Glauben zu vermitteln, sind es für die Erwachsenen vielleicht der Alkohol, das Rauchen o.ä., das während der 40 Tage eingestellt wird. Bei vielen Menschen ist das Fasten zum Wellnessfaktor geworden und hat aus religiöser Sicht keinen Stellenwert mehr.

Damit die Fastenzeit äußerlich einen Rahmen bekommt, setzt das Fastentuch oder Hungertuch in der Kirche einen besonderen Akzent. Es verhüllt in der Fastenzeit in den Kirchengebäuden die bildlichen Darstellungen Jesu. Es entstand aus dem jüdischen Tempelvorhang, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird.

Schaut man nun seit dem 2. März in die Klosterkirche in Oelinghausen, wird man staunen. Erwartet man doch vielmehr den reich ausgeschmückten Hochaltar in seiner ganzen Pracht. Ein 66m² violettes Tuch verhängt das, was wir erwarten, was wir alltäglich ansehen und uns daran erfreuen. Wächst da nicht automatisch die Vorfreude auf die Aussicht, auf das Geschehen des Osterfestes, an dem das Tuch beseitigt wird?

So werden wir in der Klosterkirche nun 40 Tage mit den Augen fasten mit der Einladung den Blick in uns selbst zu schärfen, denn Fastenzeit ist nicht nur die Zeit des Verzichtes, sondern die Zeit der Umkehr und Neubesinnung auf das Leben.
Kommen Sie gerne vorbei, halten Sie einen Augenblick inne und lenken den Blick in sich selbst.

An dieser Stelle sei ein herzlicher Dank ausgesprochen für das Anfertigen des Tuches bei Frau Bärbel Sandermann und bei allen, die aus dem Gemeindeteam mit daran gedacht und die Aufhängung möglich gemacht haben.

Ihr
Pfarrer Daniel Meiworm

Schriftstelle aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 1-11)

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.
Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

Gebet

Gott,
du lässt deinen Sohn in die Wüste gehen und dort 40 Tage überleben. Fasten und beten sind Elemente seiner Wüstenzeit, die ihn stärken, diesen Zeitraum zu überleben. Alles, was er sich bewusst machen muss, um in deinem Auftrag zu handeln, erfährt er in der Wüste. In seinen Versuchungen hält er stand.

Eine „wüste – Zeit“ hält auch mein Leben immer wieder bereit. Nun bin ich hier und meinen Augen wird das scheinbar Schöne und Wertvolle entzogen. Nur ein violettes Tuch ist zu sehen, das verhängt, mich nicht weiterblicken lässt.
So lädst Du mich an diesem Ort ein wieder in mich selbst zu blicken. Mich dorthin zu führen, wo es leer und öde ist, wo ich neue Kraft benötige.

Sei Du in den 40 Tagen der Fastenzeit bei mir, damit ich meine Wüste überstehe und Dir am Osterfest in voller Freude begegne.
Leite mich durch deinen Geist und sei bei mir und bei allen, an die ich jetzt denke, für die ich bete.
Amen

Bildergalerie vom Aufbau des Fastentuchs durch das Gemeindeteam

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